Erzähl uns doch mal ein wenig über die Entstehung von Anger Within. Handelt es sich um eine Band oder um ein Projekt?

Es handelt sich um eine Band, deren Mitwirkende auch noch anderweitig Musik machen… Die Bezeichnung als „Projekt“ klingt in meinen Ohren immer etwas nach „Eintagsfliege“ – deshalb finde ich sie nicht so passend.

Eure erste CD „fight – live - act – give“ ist ja nun schon seit einigen Monaten erhältlich. Wie ist eurer Meinung nach eure Debüt CD angekommen? Seit ihr im nachhinein zufrieden mit dem gesamt Ergebnis der CD oder würdet ihr jetzt vieles anders machen ?

Zufrieden, na ja 100% zufrieden ist man eigentlich nie, es gibt immer dinge die man im Nachhinein hätte anders machen wollen. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich mag die CD sehr und sie entspricht ziemlich genau dem was wir uns im vornherein vorgestellt hatten. Wie gefällt sie Dir denn?
Ich finde die CD ist echt sehr gelungen… zum einen finde ich es sehr gut das wir neue Musik in dieser Richtung bekommen, da wir ja nun nicht sehr viel Hardcore in unseren Reihen haben und des Weiteren finde ich die Texte wirklich sehr gut und sehr Niveau voll.

Warum habt ihr euch Anger Within getauft? Was versucht ihr mit euren Texten dem einzelnen Hörer zu vermitteln? Welche Themen verarbeitet ihr in euren Texten?

Der Name paßt wohl recht gut zu den Inhalten, denn über vieles – auch oder gerade innerhalb „unserer“ Reihen – kann man schon sehr wütend werden. Dementsprechend handeln unsere Texte zum Großteil von Pseudos, Asozialen und ähnlichen Anhängseln, die sich in der nationalen Szene sammeln und für das Erreichen eines gemeinsamen Zieles (sollte es dieses momentan überhaupt geben) eher abträglich sind. Es wäre natürlich phantastisch, wenn unserer Hörer sich die Texte mal durch den Kopf gehen ließen und eventuell anfingen, über Ungereimtheiten in ihrem „Way Of Life“ nachzudenken. Vor allem aus dem Ausland haben wir auch Rückmeldungen in dieser Richtung bekommen, die einen schon ziemlich erfreuen. Es ging (und geht) uns schließlich darum, das Niveau und den politischen Anspruch innerhalb der „Musikszene“ etwas zu heben. Leider habe ich mir aber auch schon berichten lassen müssen, daß unsere CD auf Saufgelagen rauf und runter gehört wurde. Vielleicht hätte man Titel wie „Alcoholic“ lieber auf Deutsch einspielen sollen. Neben den Liedern über Mißstände in der „Szene“ versuchen wir, unsere Texte so „offen“ wie möglich zu gestalten, um jedem die Möglichkeit zu geben, selbst nachzudenken, um wen oder was es bei den angesprochenen Feindbildern gehen könnte. Ich finde es zum Beispiel immer wieder bemerkenswert, wie viele Texte linker oder unpolitischer Gruppen mir aus der Seele sprechen, obwohl die Texter ganz sicher anderes vor Augen hatten, als sie die Zeilen schrieben. Ähnliches möchten wir auch erreichen.

Eure CD ist bei Final Stand Records in den USA erschienen. Warum habt ihr euch entschieden bei FSR eure CD zu veröffentlichen? Wie seid ihr zufrieden mit der Arbeit des Labels im nachhinein?

Wir fanden, daß dieses Label recht gut zu unserer Musik und unseren Inhalten passen würde. Mit der Booklet Gestaltung waren wir zufrieden. Leider hat sich die Veröffentlichung dann ziemlich verzögert. Wenn es einmal zu einem Nachfolgealbum kommt, haben wir auf jeden Fall schon eine Alternative hierzulande im Auge.

Was habt ihr so für die Zukunft geplant? Wird es neue CDs geben oder sind vielleicht auch Live Auftritte geplant?

Um überzeugende Auftritte absolvieren zu können, müßten wir wohl öfters mal proben. Leider läßt sich dies zur Zeit gar nicht realisieren, da wir nicht sehr nah beieinander wohnen, beruflich recht viel zu tun haben und auch noch anderweitig politisch aktiv sind. Die Musik hat, zumindest für mich, nicht den hohen Stellenwert, den sie bei manchen Bands zu haben scheint. In erster Linie muß man sich wohl anderen Propagandamitteln widmen, will man politisch Erfolg haben. Natürlich hoffen wir, daß auch die Musik einen Teil zum Gelingen unseres Kampfes beiträgt. Allerdings sind wir nicht so vermessen, zu glauben, das Volk würde sich durch Musik allein „rekrutieren“ lassen. Die „Musikszene“ erscheint mir eher geeignet, auf jene einzuwirken, die bereits in „unseren Reihen“ stehen. Wie gut oder schlecht diese verantwortungsvolle Aufgabe von manchen Bands erledigt wird, will ich hier lieber nicht beurteilen. Wir werden aber sicherlich noch weitere CDs auf die Szene loslassen – in der Hoffnung, daß unsere Vorschläge mal überdacht werden.

Bei uns hat sich ja in den letzten Jahren, besonders in Deutschland Musikalisch viel getan. Es gibt zwar immer noch nicht sehr viele Bands die in der HC schiene fahren, aber es werden ja sichtlich mehr. Wie seht ihr diese Entwicklung? Welche Bands bevorzugt ihr selber?

Wie schon angedeutet, hören wir viel Musik, die von einigen als „politisch inopportun“ verteufelt wird. Bei mir geht das von Boysetsfire, über Caliban, Heaven Shall Burn, Most Precious Blood, 18 Visions, Maroon, bis zu Sachen wie Antigama (Grindcore). Die Entwicklung, daß immer mehr Bands im nationalen Lager derartige Musik machen, finde ich ziemlich gut, ebenso die Berührungspunkte mit anspruchsvollerer (Black-)Metal-Musik. Diese „3-Riff-RAC-CDs“, wie sie über Jahre modern waren (und bei vielen noch immer beliebt sind), kann ich einfach nicht mehr hören. Leider sind viele Kameraden musikalisch nicht sehr wählerisch und finden einfache Musik noch immer super. Um diese Leute zu erreichen, muß man zuweilen auch noch Musik machen, die nicht zu HC-/Metal-lastig ist, andernfalls würde man gewissen Gruppen (Namensnennungen habe ich soeben lieber wieder entfernt) das Feld überlassen, die junge, vielleicht noch hoffnungsvolle Kameraden mit Saufliedern und geklauten Parolenreimen überschütten, bis diese auch denken, es wäre für unsere Ziele vorteilhaft, nach den Botschaften in solchen Liedern zu leben.

In eurem Song „Alcoholic“ singt ihr über den Konsum von Alkohol und das Rauchen. Ist meine annahmen richtig das ihr selber den Straight Edge weg geht? Wenn ja, warum habt ihr euch dafür entschieden? Was wollt ihr mit diesem Lied vermitteln bzw. zu Ausdruck bringen?

Der angesprochene Titel ist ja nicht der einzige dieser Art auf unserem Debütalbum. Ob man für einen Lebensstil nun unbedingt einen Namen braucht, weiß ich nicht. Als Identifikationsfaktor ist es ganz praktisch, dann muß man nicht mit vielen Worten das sagen, was der andere durch einen einschlägigen Begriff auch erfährt. Ich habe mit Zigaretten und Alkohol aber zu einer Zeit aufgehört, als ich weder Hardcore-Musik noch den sXe-Begriff kannte. Eigentlich geschah das bei mir in erster Linie aus sportlichen Gründen. Als netten Nebeneffekt habe ich aber im nüchternen Zustand viele Leute richtig hassen gelernt, wenn ich sah, wie sie sich vollaufen ließen und sich dann in gewohnter Manier benahmen. Grundsätzlich kann jeder soviel trinken und rauchen, wie er möchte. Ich finde es nur etwas abstoßend, wenn Leute, die nationale Symbolik auf den Klamotten (oder in ihrem Suffgerede) verbreiten, gleichzeitig nach Alk und Kippen stinken und kaum gerade laufen können. Irgendwie ist das nicht das Bild des deutschen Freiheitskämpfers, das ich aus alten Büchern und Filmen im Hinterkopf habe. Auch auf unser Volk, welchem unser Kampf ja angeblich gilt, wirken viele dieser Leute abschreckend. Was nützt es, wenn sich diese „Kameraden“ auf Demos zusammenreißen und versuchen, das Bild einer kämpferischen Jugend zu tragen, aber am Abend stinkbesoffen an der Tankstelle (z.B. vor und nach Konzertbesuchen) die Passanten anpöbeln? Jeder sollte sich in dieser Hinsicht mal selbst überprüfen und dann auch den Mut aufbringen, zu beurteilen, ob er wirklich das ist, was er gern wäre.

Das „With Full Force“ steht in kürze an. Besucht ihr diese Veranstaltung oder auch andere Konzerte in dieser Richtung?

Ich kann es mir finanziell leider nicht erlauben. Interessant klingt das Aufgebot schon. Auf Konzerte gehe ich aber generell nicht allzu häufig. Oft habe ich bei nationalen Konzerten einfach keine Lust, mich vom Anblick der vielen in unseren Liedern besungenen Typen entmutigen zu lassen. Auf ausgesprochene Antifa-Veranstaltungen gehe ich aber auch nicht. Ich will die Leute, die für das stehen, was ich bekämpfe, auf keinen Fall finanziell unterstützen. Die Musik kann man sich zum Glück auch anderweitig beschaffen.

Wie hat sich Eurer Meinung nach unsere Bewegung entwickelt in den letzten Jahren. Seht ihr das ganze eher positiv oder eher negativ?

Vieles ist doch recht positiv. Dazu gehören in erster Linie die vielen jungen Leute, die kaum oder gar nicht subkulturell vorgeprägt sind uns sich sehr für die politische Arbeit engagieren. Innerhalb der Szene finde ich die musikalische Entwicklung und auch die des äußeren Erscheinungsbildes vieler Leute lobenswert. Die negativen Aspekte sind sicherlich keine Neuentwicklungen, sondern seit jeher das Problem jeder politischen Minderheit. Dazu gehören neben Spaltern, Spitzeln und Profitsüchtigen auch die, die ihre gescheiterte Existenz in eine Randgruppe zu retten versuchen und damit das, was andere über lange Zeit aufzubauen versucht haben, mit wenigen Taten oder Worten in den Medien zunichte machen. Gegenüber solchen Leuten, die – anders als die Erstgenannten – meist sehr einfach zu erkennen sind, ist unsere angeblich doch so intolerante Szene viel zu nachsichtig.

Seit einigen Tagen wurde nun endgültig, ab Januar nächsten Jahren wird uns eine neue Hürde aufgelegt…gemeint ist die Erhöhung der Mwst. Was sagt ihr dazu?

Dazu war heute eine nette Karrikatur in der Welt am Sonntag. Darauf abgebildet war ein Meer von BRD-Flaggen und ein paar Touristen, die staunen, wie sich die Deutschen über die Steuererhöhung freuen. Natürlich ist es für jeden von uns unangenehm, noch mehr in die ohnehin nicht zu stopfenden Finanzlöcher des Regimes werfen zu müssen. Abgesehen von dieser persönlichen Befindlichkeit kann ich jeder Steuererhöhung (und ähnlichem) auch Gutes abgewinnen: Gerade jetzt, zur Zeit der Weltmeisterschaften im Kommerz (nebenbei sollen auch Fußballspiele stattfinden), wird doch sehr deutlich, daß es unserem Volk noch viel zu gut geht, als daß es von selbst an einen Aufstand gegen das System denken würde. Mit ALG II haben sich die meisten arrangiert, mit der Praxisgebühr auch, mit Benzinpreiserhöhungen ebenso, auch die hohe Nochmehrwertsteuer werden die Deutschen für den neuen Plasmafernseher gern zu zahlen bereit sein. „Irgendwann ist Schluß“ denken viele von uns, „irgendwann wird das Volk dies alles nicht mehr hinnehmen“ – ja, irgendwann, aber nicht so bald, wie es scheint. Der Volkstod oder der kulturelle Niedergang ist jedem Deutschen einerlei. Einzig der Griff in ihre Geldbörsen läßt die Menschen für kurze Zeit aus dem Dauertraum von Mikrowellengourmetgerichten und Realityliveshows erwachen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir froh über jeden weiteren Einschnitt in die Finanzen unserer Volksgenossen sein. Einmal wird es auch den abgebrühtesten Mediengurus nicht mehr gelingen, dem Volk sein eigenes Ende als den Fortschritt in eine westliche Wertegemeinschaft schmackhaft zu machen. Dies wird aber nicht am politischen Erwachen des Volkes, sondern an dessen Verarmung abzusehen sein. Wenn die Machthaber nicht mehr in der Lage sind, den Untertanen das bißchen Wohlstand im Abendland zu sichern, weil sich die Zinsspirale ganz unbarmherzig ins Herz des Wirtschaftswachstums bohrt, bricht das Konstrukt aus Geschichtslügen und wirtschaftspolitischer Utopie zusammen, und zur selben Zeit das Medienimperium. An diesem Tag müssen die Deutschen sich derer erinnern können, die schon in der „goldenen Systemzeit“ die entschiedensten Widersacher des Systems waren und schon damals die Fehler und deren langfristige Folgen aufgezeigt haben. Dieser Rolle müssen wir jeden Tag gerecht werden! Aber ich schweife gerade vom Thema ab… Ja, ich finde es auch scheiße, daß ich zukünftig noch mehr Steuern zahlen soll… die dargestellten Überlegungen sind in Wahrheit nur meine geistige Konstruktion, über den Mammonellen Verlust hinwegzukommen…

In der letzten Zeit vergeht ja kaum ein Tag wo man nicht irgendwas in den Medien über die Bedrohung von rechts hört. Was ist eurer Meinung nach der Grund dafür?

Nun muß ich doch noch einmal auf meine eben aufgestellte Langzeitprognose eingehen… auch die Machthaber wissen, daß es fatal wäre, politisch Oppositionelle als Heilsbringer und Idealisten erscheinen zu lassen. Besser ist es, jedem treuen Staatsbürger ein anderes Bild einzuimpfen. Da sind nicht die jungen Deutschen, die nachts Propagandaaktionen durchführen und tagsüber demonstrieren, sondern die kahlköpfigen Alkoholiker, die mal wieder einen 15jährigen Maximalpigmentierten verprügelt haben, weil er an der Kasse zum neuesten Hollywoodfilm gedrängelt hat. Da ist nicht der Aktivist, der beim Plakatieren von Bullen des Systems angeschossen wird, sondern Arbeitslose mit Stiefeln und Bomberjacken, die den ganzen Tag in den Straßen herumlungern und nur darauf warten, einen ausländischen Touristen davonzujagen. Wieviel der geschilderten Momentaufnahmen nun mediale Übertreibung oder Erfindung ist, sollte jedem von uns klar sein. Allerdings kennt doch jeder zumindest flüchtig ein paar Leute, bei denen man sich nicht sicher sein kann, ob sie sich nicht in derselben Situation genauso verhalten würden, wie es die Medien öffentlichkeitswirksam inszenieren. Schlimmer noch, jeder von uns kennt sicher auch politisch uninteressierte Deutsche, die aus eigener Erfahrung stets die Berichte über rechte Untaten bestätigen. Die ältere Dame, die sich in der Straßenbahn von jungen Skins mit Bierflaschen und Deutschlandaufnähern eingeschüchtert fühlt, glaubt selbstverständlich gern jede Schreckensmeldung über die Verbrechen besoffener Neonazis. Es sollte eine Hauptaufgabe jedes Aktivisten sein, solche Zustände abzustellen und so den Medienhetzern keine Argumentationsgrundlage zu bieten.

Wenn ihr noch was loswerden wollt dann habt ihr noch die Gelegenheit dazu. Ich für meinen Teil habe keine Fragen mehr. Ich bedanke mich für das Interview und wünsche viel Glück mit eurer Band.

Danke für die Fragen und das Interesse an der Band. Was ich noch loswerden will, würde Bände füllen, auf jeden Fall aber noch die ein oder andere CD. Also belasse ich es nun bei den vorstehenden Antworten und wünsche Dir alles Gute für Dein Label, die entsprechende Netzseite, eventuelle Bands, in denen du spielst und allen Lesern noch eine schöne „Weltmeisterschaft“ ;-)